LiterArt 4-2018

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Restlos verfallen

Ich bin ihm verfallen seit jener Nacht,
als mein Bruder ihn mit nach Hause gebracht.
Er ist ein ziemlich eckiger Typ,
doch ich hab' ihn so unglaublich lieb.
Ich möchte ihn unablässig drücken,
er lässt sich gern von mir beglücken,
denn geh' ich zu ihm und bin initiativ,
wird unsre Beziehung total intensiv:
Mir flimmert's vor Augen, er beginnt leis' zu summen,
mein Atem geht rascher; ich liebe das Brummen
mit dem er Geheimes mir offenbart
von sich, das er für mich bewahrt.
Doch auch er braucht mich so, er lebt nur durch mich,
kaum berühre ich ihn, elektrisiert er sich
im selben köstlichen Augenblick
und schaut flimmerselig zu mir zurück.
Immer wieder spielt er Verstecken mit mir,
doch das reizt mich erst recht: "Ich lass nicht von dir,
ich finde, was du verborgen hast."
Er ist manchmal schwierig, aber süße Last.
Selbst weiß er nichts anzufangen mit sich,
doch das ist egal, er hat ja mich.
Abends fürs Date auf der Autobahn
mach' ich ihn ganz besonders an.
Zur Zeit lern' ich surfen, was er sicherlich liebt,
damit es noch weniger Trennendes gibt.
Er raubt mir den Schlaf, ich komm' nicht von ihm los.
Was passiert da mit mir. Was ist das bloß?
Doch jetzt ist es so weit, wir müssen uns trennen,
es tut mir so leid, meine Augen brennen,
und ich muss es, ich tu' es – und er lässt es zu.
"Ich werd' dich vermissen, mein Liebster, du."
Meine zitternden Finger ergreifen die Maus!
Ich klicke!
Er flimmert!
Er flackert!
Aus ...

Rosemai M. Schmidt