LiterArt 10-2017

Monatsbild

pixabay Didgeman

Kapuzinerkresse

 
Im Garten schleicht sich Kapuzinerkresse
klammheimlich zwischen späte Rosen
und Ringelblumen,
schiebt sich ins Kräuterbeet,
vorbei an Königskerzen, die,
längst schon verblüht,
mit starren Fingern aufwärts weisen.
Die Kobolde,
mit hell und dunkelgelben Lachgesichtern,
machen uns glauben fast
dass Frühling sei.
Jedoch,
die späte Biene,
die noch von Blüt' zu Blüte brummt,
ist schon so müd'.
Ich tret' herzu,
will gern den Schelmen nahe sein,
den Nebeltag bei ihrem Leuchten kurz vergessen.
Doch sieh,
in jedem Blatt glänzt eine Perle,
die Kapuzinerkresses Leuchten Lügen straft:
Herbstnebel nur
bringt solchen Schmuck hervor.
Ich stoße sanft ein Blättchen an und
pling plirr pling
rollt Perl um Perlchen mir davon
von Blatt zu Blatt
hinab, hinab.
Und fast, so mein' ich,
hört' ichs lachen.

Rosemai M. Schmidt