LiterArt 2025
Mit Tübinger Gôga durchs Jahr

Susanne Paradis
Igel
Ganz klein war ich,
vier Jahre oder so,
da fand der Vater
auf dem Kompost
den kranken Igel
mit gebrochnem Bein.
Er pflegte lange ihn gesund
und wollte schließlich ihn
am nächsten Tag entlassen.
Doch über Nacht,
da warens plötzlich sechs:
Die stolze Mama
und fünf winzig kleine Babys.
Und alle fünf
bekamen einen Namen.
So wurd der Mietvertrag verlängert
und Igels blieben da
und wurden ganz vertraut.
Doch eines Tages
war der Umzug da:
Frau Igel ging zur nahen Hecke,
kramte darin herum
und kam zurück,
den Nachwuchs abzuholen.
Ich seh noch heut die Prozession:
Mama voraus
und hinterdrein die kleine Schar
mit flinken Wuselbeinchen
ganz vertrauenvoll
ins hohe Gras,
hinter die Hecke
und weg warn sie.
Die Namen
hab ich heut vergessen,
die kleinen Kerle aber nicht.
Rosemai M. Schmidt
