LiterArt 2026
Mit Tübinger Gôga durchs Jahr

Lange Gasse Tübingen
Weihnachtsg`schenker
Am Stammtisch hockat drei jonge Gôga.
Der oine sait: "I muaß euch frôga,
was ihr über da Chrischtdag denkat
ond was ihr eure Jonge schenkat."
"Der mei kriagt Schlittschuah", sait der oi.
"Du muasch an reachter Protzer sei!"
"De mei an Schlitta", moint der zwoit.
Dem dritta werdet d'Auga weit.
"Ha, so an Großkotz müaßt mer sei,
des fällt mir jô em Traum net ei!
I bronz de meine a Schleifez uff d'Gass,
dees ischt an koschteloser Spaß."
Rosemai M. Schmidt
Erklärung zum Text
Hier geht es um "Gôga"-Witze, eine sehr tübingenspezifische Art von Witzen. Normalerweise erzählt man sich diese nach üblicher Witze-Erzählart. Ich habe mir erlaubt, einige davon in Reimform zu bringen, da sie dann auch in Lesungen vorgetragen werden können. Witzeerzählen passt bei solchen Gelegenheiten meist nicht so richtig.
Am Stammtisch sitzen drei junge Gôgen. Der eine sagt: "Ich muss euch fragen, was ihr über den Christtag denkt und was ihr euren Kindern schenkt." "Der meine kriegt Schlittschuhe", sagt der eine. "Du musst ein rechter Protzer sein!" "Die meine nen Schlitten", meint der Zweit'. Dem Dritten werden die Augen weit. "Ha, so ein Großkotz müsst' man sein, das fällt mir ja im Traum nicht ein! I piss' den meinen ne Schleifspur auf die Gasse, das ist an kostenloser Spaß."
Natürlich möchte ich nicht versäumen, den Nichttübinger Rei`gschmeckten* eine Übersetzung zu liefern:
* Reig`schmeckte: Aus fernem Lande in Tübingen Aufgeschlagene. [Der Schwabe sagt nicht riechen, sondern schmecken. Also sind Reig`schmeckte Leute, die mal nach Tübingen reinriechen wollen oder es wollten und dort hängen geblieben sind.]
