LiterArt 2026

Mit Tübinger Gôga durchs Jahr

Monatsbild

Platanenallee von der Hölderlinturmseite aus

Drum

Drum

Kahlabachs Otto trifft 's Kuschters Lies
en de Platana uff der Wies.
"Was macht denn dei Ähne, gôht's em guat?
I frôg me scho länger, was er duat",
rätselt der Otto, ond d' Lies macht a G'sicht:
"Ja, om der älles, woisch du des nicht?
Mei Ähne isch scho a halb's Jôhr dot."
"Was du et saisch! Du liaber Gott!
Dô bleibt mer grad vor Schreck d' Gosch offa!
Drom hôt mer'n z'letzscht so selta troffa."

Rosemai M. Schmidt


So schwätzt mer im Ländle

Schwäbisch geschimpft

Was jetzt kommt, ist sehr speziell. Wenn Schwaben etwas ganz besonders gut können, dann ist das schimpfen. Und sie schimpfen ausgesprochen bildlich. Die beschimpfte Person kann sich sehr gut vorstellen, was ihr blüht, wenn sie sich weiter so verhält, wie es dem jeweiligen Schwaben nicht gefällt.
Sie können derb sein, die Schwaben, aber im Dialekt schimmert auch bei der schlimmsten Beschimpfung immer noch der gnitze Schwabenhumor durch. 
Ins Hochdeutsche übersetzt, klingt es mitunter sehr extrem und es könnte durchaus eine Anzeige wegen Beleidigung dabei herausspringen.
Falls ein Nichtschwabe einen der folgenden Ausbrüche zu hören bekommen würde (mal den eher unwahrscheinlichen Fall angenommen, er würde alles verstehen), würde er vermutlich eine erschrockene Entschuldigung stammeln, in der Hoffnung, das zornige Gegenüber werde seiner Androhung nicht Taten folgen lassen. Und dann ist es durchaus wahrscheinlich, dass der wütende Zerberus gemütlich antwortet: „Drom sait mer's jô em Guata!“ (Drum sagt man es ja im Guten)


Folgende Beschimpfungen finden sich in:
https://www.schwaebisch-schwaetza.de/


Dei Romgegosche machd me greiznarrad, so Bachl wia Di hôdd mr friahr bis zom Hals eigraba ond was rausguggt hôdd, des hôdd mr oifach wegdabbd. Wenn de so weidrmachsch, nô häng i dir ’s Kreiz aus, dass De dein Arsch en dr Schling hoimdraga kôsch!


Dein Rumgegosche macht mich kreuzwütend. Solche Deppen wie dich, hat man früher bis zum Hals eingegraben und was rausgeschaut hat, hat man einfach umgetreten. Wenn du so weitermachst, dann hänge ich dir das Kreuz aus, dass du deinen Arsch in der Schlinge heimtragen kannst. 


Dia jonge Leit kôsch doch älle de Hasa gäbba, koin Arsch en d'r Hos', abbr dauernd uff am Eibreddle romdalga ond saudomme Sacha en d'Welt setza. Dia henn doch älle Scheißdregg uff de Glotzbebbl on sehad aus, als hädded mr se beim Beddamacha g'fonda.'


Die jungen Leute kannst du doch alle den Hasen geben, keinen Arsch in der Hose, aber dauernd auf dem I-Phone rumfingern und saudumme Sachen in die Welt setzen. Die haben doch alle Scheißdreck auf den Augen und sehen aus, als hätten wir sie beim Bettenmachen gefunden.


Du elendr Heilandzack, du liadrichr, i schlag dr glei so uff dei Kappadach, dass de aus de Ribba guggsch wia an Aff em Käfig ond da Reschd schlage en da Boda nei, dass de dr Herrgott mit dr Beißzang wiedr rausziaga muaß!

Du elender Heilandzack (nicht übersetzbar) du liederlicher, ich schlage dir gleich so auf dein Kappendach, dass du aus den Rippen guckst wie ein Affe im Käfig und den Rest schlage ich so in den Erdboden rein, dass dich der Herrgott mit der Beißzange wieder herausziehen muss.

Ha, du bisch doch a segglbleeds Arschloch, a krommbohrds. Di kô mr abbr au nix alloi doa lassa, ällas machsch v'rkehrd! I kennd dr grad an Grend nôschlaga, dass d' ab soford nôch henda glotsch. Hau bloß ab du Dagdiab, du Heilandzack, du bleedr!


Ha, du bist doch ein seckelblödes Arschloch, ein krummgebohrtes. Dich kann man aber auch nichts alleine machen lassen, alles machst du verkehrt! Ich könnte dir gerade an den Kopf hinschlagen, dass du ab sofort nach hinten schaust. Hau ab du Tagedieb, du Heilandzack (nicht übersetzbar) du blöder.

Ja sabberlod, kennad Sia Ihr'n Scheißkarra, Ihr'n v'rsoichda, v'rschissana net an an andra Blatz nôstella, Sia Lällabäbbl, Sia bleedr! Greizdonndrweddr aber au! Jedn Dag de gleich Kuglfuhr vor meinera Garaasch, dô kennsch grad uff d'r Sau naus!


Ja sapperlot, können Sie ihren Scheißkarren Ihren verpissten, verschissenen nicht an einen anderen Platz hinstellen, sie Dummschwätzer, Sie blöder! Kreuzdonnerwetter aber auch! Jeden Tag die gleiche Kugelfuhr vor meiner Garage! Da könnte man gerade auf der Sau raus.


Und jetzt füge ich noch meine persönliche Lieblingsbeschimpfung an. Ich hab sie von einem Freund, der nach dem Abitur eine Zeitlang auf dem Bau schaffte. Eines Tages ließ er mich der höheren Beschimpfungsweihen schwäbischer Bauarbeiter teilhaftig werden:


Ha, du Arsch! Wenn d'net glei deine dreckige Griffel wegduasch, schla i dir oine an dei Badderie, dass dir d'Kabel zu de Ohra rausfahrad.

Ha, du Arsch! Wenn du nicht gleich deine dreckigen Finger wegtust, schlage ich dir eine an die Batterie (den Kopf), dass dir die Kabel zu den Ohren rausfahren.


Also, i dät saga: 

„Regat se sich net so arg uff, nô kô au nix Schlemms bassiera. Ond wenn se nô doch amôl mit ma Schwôb z'sammarasslat, nô saget se oifach: Mer sait's jô bloß em Guata!“

Jetzt kennat sie sich jô amôl an ra Iebersetzung versucha.



Kleine launige Anmerkung zum Schluss:


Da ich gerade Schwäbisch schreibe, spielt mein Rechtschreibprogramm derzeit verrückt. Eben ist es aufgepoppt und hat mir völlig verstört Folgendes angeboten:


Meinten Sie:
Mulig stavelfejl fundet
ignorieren / übernehmen


Ich frag mich tatsächlich, was das für ein Dialekt ist.

Erklärung zum Text

Hier geht es um "Gôga"-Witze, eine sehr tübingenspezifische Art von Witzen. Normalerweise erzählt man sich diese nach üblicher Witze-Erzählart. Ich habe mir erlaubt, einige davon in Reimform zu bringen, da sie dann auch in Lesungen vorgetragen werden können. Witzeerzählen passt bei solchen Gelegenheiten meist nicht so richtig. Natürlich möchte ich nicht versäumen, den Nichttübinger Rei`gschmeckten* eine Übersetzung zu liefern: 

Drum


Kahlenbachs Otto trifft Kusters Liese
in den Platanen, auf jener Wiese.
„Was macht dein Opa, geht es ihm gut?
Ich frag mich schon länger, was er tut“,
rätselt der Otto. Liese macht ein Gesicht:
„Ja, liebe Zeit, weißt du das nicht?
Mein Opa ist schon ein halbes Jahr tot.“
„Was du nicht sagst! Du lieber Gott!
Da bleibt gar vor Schreck der Mund mir offen!
Drum hat man ihn letztens so selten getroffen!“


* Reig`schmeckte: von woanders her in Tübingen befindliche Personen. [Der Schwabe sagt nicht riechen, sondern schmecken. Also sind Reig`schmeckte Leute, die mal nach Tübingen reinriechen wollen oder es wollten und dort hängen geblieben sind.]