LiterArt 6-2021

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SgH auf Pixabay

Im Juni

Ein Hirschkäfer traf einen Hirsch
auf der Pirsch.
„Nanu!“, sprach der Käfer, „wat is mich denn dat.
Ein Tier wat am Haupt eine Zange hat.“
Der Hirsch sprach erstaunt: „Oha! Ei ei ei,
der Zwerg hat vor dem Maul ein Geweih.“
Sie schauten und staunten einander an,
was man ja gut verstehen kann.
„Du kleiner Kerl, dass ich nicht lach,
komm, mach du Winzling mir das nach!“
Er rannte schnell im Kreis herum,
dem Käfer wurd' im Kopf ganz dumm.
„Dat kenne ich vom Käferreigen.
Doch will ich dich wat Bess'res zeigen.
Keen Hirsch kann so wat, globe mir.
Mach Platz!“  Dann zählte er auf Vier.
Und sauste schnell den Baum empor,
oben streckt er den Kopf hervor:
„So Hirschlein“, rief er übermütig,
„jetzt sei doch bitte mal so gütig
und setz dir neben mich herauf.“
Der Hirsch schaute verblüfft hinauf,
dann schlug er in die Büsche sich.
„Ne“, sprach er, „ne, das kann ich nich.“
Und die Moral von der Geschicht:
Man schließ' von sich auf andre nicht.

Rosemai M. Schmidt