Rosemai M. Schmidt
Schwäbisch speziell:
Man stelle sich vor:
Lore, die schwäbische Freundin von Freija, einer Hamburgerin, ruft an, um diese über ein Unglück zu informieren.
„Schtell dir môl vor, i han da Fuaß brocha!“
Erschrocken fragt Freija: „Oh Schreck! Wo denn genau?“
„Über`m Knie.“
„Hä?“
Jeder Nichtschwabe hätte so reagiert. Für Schwaben ist das ganz klar und logisch, denn der Fuß ist lang. Er geht vom Oberschenkel bis zur Fußsohle.
Nun ist Freija im Ländle zu Besuch. Sie friert.
„Du, Lore, mir ist sehr kalt.“
„Ja, Freija, nô nemm halt an Debbich!“ (Dann nimm halt einen Teppich)
„Hä?“
Das Kopfkino spult eine Szene ab, in der Freija den Teppich vom Boden nimmt und sich damit einwickelt. Das wiederum hätte Lore zu dem Ausruf: „Hä?“ veranlasst, denn in Schwaben heißt die Wolldecke, die auf dem Sofa liegt, Debbich.
Nach dem Mittagessen schlägt Lore vor:
„Komm, Freija, mir laufet a bissle durch da Schönbuch.“ Freija freut sich, denn sie joggt gerne und holt ihre Sportschuhe. Im Wald fängt sie an zu joggen. Lore ruft ihr atemlos hinterher:
„Halt, Freija, lauf doch net so schnell.“
Es dauert eine Weile bis Freija versteht, dass ein Schwabe, der laufen will, einen gemütlichen Spaziergang meint.
„Aber was sagst du denn, wenn du wirklich rennen willst?“
„Ha, springa, aber eigentlich saua.“
"Springen? Hoch oder weit?"
"Noi, hoch isch hopfa (hüpfen)."
"Weißt du was, Lore, ich brauch jetzt nen Kaffee."
"I au", sagt Lore erfreut, "glei dô onta gibt`s an guata, dô könna mer nôlaufa."
Also, für alle Reig`schmeckte:
Sauet Se net so uff `gregt omanander, laufet Se lieber g`mütlich durch`s Städtle.
Hier geht es um "Gôga"-Witze, eine sehr tübingenspezifische Art von Witzen. Normalerweise erzählt man sich diese nach üblicher Witze-Erzählart. Ich habe mir erlaubt, einige davon in Reimform zu bringen, da sie dann auch in Lesungen vorgetragen werden können. Witzeerzählen passt bei solchen Gelegenheiten meist nicht so richtig. Natürlich möchte ich nicht versäumen, den Nichttübinger Rei`gschmeckten* eine Übersetzung zu liefern:
Die Gesundheit
Ein Fremder kommt vom Indianersteg,
da kreuzt ein Leichenzug den Weg.
„Wer wird beerdigt?“, fragt er den Paul,
der schnappt arg grantig, die Pfeife im Maul:
„Ha, das ist leicht, das kann ich sagen.
S`ist jener dort im ersten Wagen.“
„Was der Arme wohl gehabt haben mag?“
„Na, ungefähr 3 Mark fünfzig am Tag.“
„Nein, nein! Was hat dem Mann gefehlt,
das ihn zu Tode hat gequält?“
„Ha, Blödmann, die Gesundheit, was sonst?
Mach, Kerl bloß, dass du weiterkommst.“
* Reig`schmeckte: von woanders her in Tübingen befindliche Personen. [Der Schwabe sagt nicht riechen, sondern schmecken. Also sind Reig`schmeckte Leute, die mal nach Tübingen reinriechen wollen oder es wollten und dort hängen geblieben sind.]