LiterArt 8-2014

Monatsbild

photobucket - mystic45

Die Zirpse

Eine kleine Zirpse grillte,
nein, grollte voller Groll,
weil ihr Grill zu klein war
einen Zoll.
"Ach", so sprach sie voller Pein,
"das soll ein Vergnügen sein?
Eine Zirpse muss doch grillen!
Was soll das, um Himmels Willen?"
Und die Zirpse wurde trüb,
was den ganzen Tag so blieb.
Abends erst, so gegen neun,
fiel ihr plötzlich etwas ein.
"Hach! Das ist es!", rief sie listig,
"der Gedanke - mittelfristig -
löst ja wirklich sehr bequem
das Problem!"
Worauf sie vorzüglich schlief,
ruhig und tief.
Nach dem morgendlichen Plausch
mit Herrn Maulwurf lief der Tausch
klammklammheimlich, still und leise,
ganz auf Zirpsen-Art und Weise.
Dann wars still.
Doch auf einmal klangen Töne,
spinnwebzarte, wunderschöne.
Alle, die sie hörten, schwiegen,
selbst die meckerigen Ziegen.
Was war das? Wo kam es her?
Nun, das ist nicht wirklich schwer
zu verstehen, bitte sehr:
Eine kleine Grille zirpte
ein ganz melodiöses Stück
und wers hörte, sofort spürte:
Diese Grille zirpt vor Glück.
Der Grill der Zirpse war suboptimal,
der Zirps der Grille dagegen genial.
Seither vermehren sich die Grillen
eher im Lauten, denn im Stillen.
Zirpsen gibt es keine mehr
seither.

Rosemai M. Schmidt