LiterArt 4-2015

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Popeln

Lob des Popels

Was wär die Menschheit ohne Popel,
ob arm ob reich ob alt ob nobel,
ein jeder sucht im Nasenraume
nicht etwa eine blaue Pflaume,
auch nicht ne Zecke voller Blut,
auch nichts, was nichts dort suchen tut.
Nein jeder zieht mit seinem Finger
eins jener Glitsche-Popeldinger,
die manchmal grün und manchmal braun
sowohl bei Männern und bei Fraun
die Nasenhöhle frech verkleistern
und manchen stö\'rn, manchen begeistern.
Der eine birgt\'s wie\'n schlecht Gerüchlein
in einem kleinen Nasentüchlein.
Der andre fördert es zutage,
ganz ohne Angst vor der Blamage,
er wendets hin und wendets her,
als obs was ganz Besond\'res wär,
bevor er es dann ganz verschmitzt
nur einfach so ins Weite fitzt.
Jedoch, es gibt besondre Leute,
die machen dies mit ihrer Beute:
Sie fördern ihren Schatz zutage
sie schaun, zu testen, wie die Lage,
ob einer glotzt, ein andrer grinst,
ein dritter um die Ecke linst -
wenn weder noch und keiner guckt,
wird schnell der grüne Schelm verschluckt.
Nun ja, was soll man dazu sagen,
es möge niemand sich beklagen,
ein jeder kann, ob heut ob morgen,
sein Popelzeugs ganz frei entsorgen.
Und welcher Art das deine du
entsorgst - ich kneif ein Auge zu.
Auf erste Art, auf zweite, dritte?
Du kennst sie alle - komm - ich bitte.
Ich meinte alles dies nicht grob,
komm sing mit mir des Popels Lob.
Im Popeln, das uns eklig scheint,
die Menschen dennoch sind vereint.
Drum pople, was der Finger hält,
wer Einigkeit sucht in der Welt.
Ich nehm mein Nasentuch heraus
und schneuze mich - das Lied ist aus.

Rosemai M. Schmidt